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I. Steh abseits in Schatten, werft sie nur weiter weit hinein in meine letzten Schlupfwinkel, entweiht die Stätte der Heilung, die nie heilt...

I.

Steh abseits in Schatten,
werft sie nur weiter
weit hinein in meine letzten Schlupfwinkel,
entweiht die Stätte der Heilung, die nie heilte,
seht euch ruhig satt, -
gelobt sei die Stimme, die nicht mehr singt,
die Wunde, die euch nicht ins Herz welkt

Der schräge Himmel, dunkel durchtränkt;
die lichtüberfluteten
Oasen der Ruhe, Orte der Kindheit
Randgebiet, geliebtes –
wie die Libellen, lichtleicht;
gefärbt – gewesen.
Im Zeitzenit sündenschwer
der Parallelschmerz

II.

Zerstreuter Titane, die letze Träne
galt dem letztgeborenen Bruder, ewig Kind,
nur du alterst
und vergisst wie man weint
und ich das verdammte verzeihen

Wie mir Alabaster bleibt
so gilt auch dir Granit.

Du, Namenloser, antworte mir nur nie –
vom hohen Turm aus
reicht mein Lied
niemals wieder bis zu dir; es rührt dich wenig, mich schmerzt es mehr.

In wessen Traum aber
hat wider allem,
deine Wahrheit Wert?

Weltenferner, hast du mich jemals je gewärmt?
Ich wünsche mich wund daran.
Verwünscht sei das Vielfühlen, das Zweifelzittern;
als könnte die Kälte trügen.

III.

Wo ist es, dein Land,
mit den kahlen Klippen,
die du erklimmen willst?
Nicht weit vielleicht, wiege ich mich
auf verwandten Kanten in den Schlaf.

Sage mir, war ich dir oder dem Abgrund nahe,
als ich dir die Lügen
von den fernen Lippen las?

Und wieder, antworte mir nie –

Alabasterglasfaserseele
Granitsteinschwere

So schweige mit mir
über uns
still und dröhnend wie alle Meere,
in müder Übereinkunft

 

In Gedanken bist du bereits vom Eigentum verlassen, so wie dich Reisen dein Eigentum verlassen lassen. In dieser absoluten Unumgebenheit sta...

In Gedanken bist du bereits vom Eigentum verlassen,
so wie dich Reisen dein Eigentum verlassen
lassen.
In dieser absoluten Unumgebenheit stammelst du Sinnlosigkeiten sequentiell in Sätzen gereiht, kontrafaktuale Konditionalsätze, zu Verlautbarungen verkommen, wie die Lippen verlorener Sprachen im Felde des Klatschmohns, unvollständig, unverständlich, begriffsstutzig in den schalltoten Raum hinein, wo unlängst jegliche Referenz, jegliche Bezugnahme abhanden gekommen ist.
Keine reflektierenden Antworten, die deine Fragen erreichen, die keine sind, wie sie sagen.
Nicht ein selbstreferentielles Echo deiner selbst, das dich beweist, wie du meinst.
Und so bilden sich Fraktale, Metastasen der Existenz im egozentrischen Schwerefeld der Erde, das lange schon vor dir da war.
Und der Regen viel Morgens vertikal,
Abends aber horizontal.
Und das Fallen war wie eine sich selbsterfüllende Fähigkeit, schon lange bevor es Menschen gab, die fielen.
Und du warntest immer wieder:
„Wehe, wehe, denn ich sehe euch fallen wie die Bäume im Walde.“
Aber Bäume gab es schon lange, bevor es Menschen gab, die warnten
und als es Bäume gab,
da gab es auch Wälder.
Und es wurde Abend und es wurde Morgen, so erzählten sie, und die roten Geranien deiner Kindheit, die bei Regen die Luft deodorierten,
taleinwärts,
talauswärts,
sie sind immer noch die selben, so wie du immer noch der selbe sein musst,
der du warst,
wie sie meinten,
geborgen im Schoße des Talschlussberges,
dort wo die Menschen wohnen.
Doch waren sie es doch, die dir deine Heimat unerträglich machten,
und immernoch schwellen und tosen und hallen ihre Stimmen in Hallen.
Und das Glück von dem die Alten aus Selbstverständnis immer sprechen, wurde manchen nie zuteil.
Und die Natur zeigt sich in der unbarmherzigen Frühe am klarsten, bis dass das Auge bricht und das Gestein erblindet.
Der ungefundene Findling,
die sanft zerknirschte Urzeit,
die es schon lange gab,
bevor Findlinge gefunden wurden.

Eingedenkt in Gedanken ohne Richtung, so wie auch Traurigkeit keine Richtung mehr kennt, denkst du an Dinge, die nicht sein können, wie deine Erinnerungen, die es nicht gab, wie sie sagten; und Bücher, die nicht mehr gelesen werden.
Und alle Wünsche sind erfüllt, aber nichts ist geschehen, in chronischer Angespanntheit auf die nie eintretende Plötzlichkeit und auf die ständige Erwartungshaltung des Lebens:
Man erhofft sich nicht viel im Leben, doch erwartet man mehr.
Koloraturen absoluter Farbenstutzigkeit am Tonnengewölbe des Himmels in der hohen Mitte des Tages,
ein Blinzeln,
fast ein Lächeln.
Und schon wieder ein Geheimnis der Heliologie, die es schon lange vor dem Letztbegründungswahn gab: der Sichelmond als bergende Schale von Venus, das häufig vorkommende Mondbild des Morgenlandes,
schon lange bevor es die Morgen gab.
Und es wurde Abend und es wurde Morgen, so erzählten sie immer wieder.
Und der Mensch blickte wehmütig in die fallende Sonne,
bis sie verschwand
und er wartete lange,
bis sie dann plötzlich hinter ihm stand.
Und sie fiel schon lange bevor der Mensch fallen konnte.
Und du bist stehengeblieben, in der Sackgasse vollzogener Natalität und forderst den Rücktritt der Menschheit.
Doch sie sind gehengeblieben.
Beschleunigung, als ihr einziger Stabilitätsfaktor, das unverkennbare Kennzeichen der Mitläufer.
Und du schweigst.
Und du sagst nichts mehr.
Und du schweigst immer.
Und alles was gesagt werden kann, wurde gesagt, in Momenten wo es nichts zu sagen gibt, aber viel zu verstehen, im Felde des roten Klatschmohns.
Mohn und Vergessen.
Dein Schweigen wurde fehlgedeutet.

Nachtrag:
"Am 4. August gibt es eine gute Gelegenheit, nach der Venus Ausschau zu halten: Suchen Sie ab neun Uhr abends in der Dämmerung nach Jupiter, das helle Licht eine Handbreit hoch im Westen. Fast zwei Handbreit rechts darunter finden Sie dicht über dem Horizont die zarte Mondsichel - und vier Fingerbreit neben ihr die Venus. "

(https://www.br.de/sternenhimmel/planeten-mars-saturn-venus-jupiter-merkur-100.html)

Bild: Abendstern Venus neben der dünnen Sichel des jungen Mondes.
Von Johannes Schedler / Panther Observatory.


Während du aus dem Fenster der Kleinbahn blickst und nur in die Ferne schweifen kannst, da in der Nähe alles zur Unkenntlichkeit verschmiere...



Während du aus dem Fenster der Kleinbahn blickst und nur in die Ferne schweifen kannst, da in der Nähe alles zur Unkenntlichkeit verschmieren zu scheint, stellst du fest, dass audio-visuelle Hässlichkeiten dich umgeben. Zwar vermag die alpine Landschaft dir, jene kindliche Befriedigung in bruchhaften Reminiszenzen wieder zu vermitteln, doch scheint jene Kindheit ungreifbar fern zu liegen. So birgt sie nichts desto trotz das Mysterium der Naturpoesie und jene romantische Verklärtheit, wie sie nur in der Kindheit möglich ist. Denn die Landschaft alleine vermittelt den Anflug von vergangener kindlicher Weltvergnügtheit, von Sorglosigkeit und Unbekümmertheit.

Eigentlich ist jede Kindheit gleich und unterscheidet sich nur unwesentlich: Die eine war glücklich, die andere unbemerkenswert alltäglich und die dritte hoffnungslos. Erwachsen zu sein heißt, die Kindheit überwunden und vergessen zu haben. Deshalb ist es so schwierig als Erwachsener kindlich zu sein und das Verhalten von Kindern zu verstehen und zu tolerieren. Je größer der Altersunterschied zwischen zwei Personen ist, desto kleiner ist die Toleranzbereitschaft und obgleich man eigentlich selbst einmal ein Kind war, hat das Kindliche in der Erwachsenenwelt einen negativen Beigeschmack. Wahrscheinlich werden deswegen Kinder erzogen, damit die Erwachsenenwelt sie verstehen kann. Auch das häufige Bestrafen eines Kindes aufgrund seiner Verhaltensweise weißt auf die kleine Toleranzbereitschaft, auf das erwachsene Nichtverstehen bezüglich infantiler Handlungen hin: Im Erwachsenen ist das Kind gestorben. Solche Erinnerungen machen immer traurig. Erinnert man sich an etwas Schönes, weint man ihm nach und sehnt es herbei. Erinnert man sich an etwas Trauriges, ergreift die Traurigkeit das Gemüt. Deine Erinnerungen werden vom schweren sommerlichen Garaniengeruch umschlungen, die Berge in ihrer majestätischen Gewalt ziehen an dir vorüber und die länger werdenden Schatten verkünden den Nachmittag eines Vorherbstes. Du befindest dich umgeben von hohen Bergen in dünn-luftigen Höhen auf einem schmalen Gebirgsgrat, wo sich der raue Wind über die kammbildenden Felsen schlängelt, um dann auf der anderen Seite, bezwungen von der schweren Kälte, in das Tal zu fallen. Aufgetürmte Wolken schieben sich davor zusammen und winden sich in der Strömung des Windes der über den Gebirgskamm hinweg. Die dünne Atemluft lässt dich schwindelig werden. Dich schwindelt vor den schroffen, senkrecht nach unten fallenden Felswänden und der großen Höhe die man fallen kann. Hier oben bedarf es einer peniblen, ständigen Konzentration, den nächsten Schritt nicht ins Leere zu setzen. Diese Kunst, genau den Mittelweg, die Gratwanderung erfolgreich zu bestehen, erfordert eine ausgewogenen, im Gleichgewicht befindende, mittelmäßige und beständige Lebensführung. Schwermut legt sich in deine Brust und die tiefstehende Sonne vertrocknet deinen Mund. In der unerträglichen Hitze des späten Nachmittags fallen die Schatten immer tiefer in die Landschaft und lassen die tief eingeschnittenen Furchen der Berge sichtbar werden. Vor dir liegen brachligenden Landwirtschaften durch denen sich ein pechiger Kanal in Richtung Dorf zieht. Die Brunnen im Dorf sind ohne Wasser, wahrscheinlich handelt es sich um Verlegenheitsbauwerke. Diese Ortschaft vermochte es selbst die Unendlichkeit zu begrenzen, obgleich man gerade durch diese Tatsache lernte das zu sehen am Menschen, was er eben nicht ist.

Die spärlichen Gräser die den Boden um die Fichten ausfüllen, spiegeln den ewigen Kampf zwischen Weide und Wald wieder, ein Wettrennen der Existenz, eine Frage des Platzes. Das leben als klaustrophobisches Problem. Das Banale, Anspruchslose ist wie Unkraut, es überlebt sogar auf den kärgsten Böden und kommt ohne nennenswerte Ansprüche aus.

Auf dem Bahnhofsplatz herrscht alltägliches Treiben. Er ähnelt einem Freilichtmuseum abgewetzter Steinsetzarbeiten. Die Pflastersteine stellen liebevoll verspielte, pflanzenartige Mosaik-Ornamente dar, die sich durch schwarze Pflastersteinen von den übrigen weißen, im Hintergrund befindlichen, Steinen abheben und sich durch ihnen hindurchschlängeln. Der Kontrast zwischen dem schwarzen Basalt und dem weiß leuchtenden Kalkgestein gibt den Bodenmalereien ihre vielfältigen Formen und grenzt das Motiv vom Weiß des Hintergrundes radikal ab, ohne kontinuierlich oder gar sanft überleiten zu wollen. Wellenförmig verlieren sich die floralen, romantischen Spielereien allmählich im homogenen Nichts des weißen Kalkgesteins, indem sie sich in zwei Stränge aufspleißen und sich die jeweiligen Enden davon spiralförmig zu einer Blüte eindrehen. Wieder andere malen verschiedenste Blätterformen auf den Boden, zerfließen in vollkommener Symmetrie gleichzeitig zu Spiralen in entgegengesetzten Richtungen und zeichnen mit ihren dekorativ fließenden Linien geometrische Symbole auf den Boden. Bemerkenswert ist die Fähigkeit der ansonsten anorganischen, leblosen Steine des Kopfsteinpflasters, organisch gewundene Pflanzenfiguren äußerst lebendig darzustellen und darüber hinaus eine weich gezeichnete Dynamik und Bewegung zu vermitteln, die sich in der Unendlichkeit und Iteration von unendlichen Fraktalen wiederfindet.

Trotz alledem sind in deiner Vorstellung schon erste Tulpen, Narzissen und Krokusse kurz vor dem Blühen und warten noch etwas ab, bevor sie die noch verschlossenen Blüten endgültig öffnen und uns ihre wunderschöne Farbenpracht zur Schau stellen werden. Die Wiesen sind schon leicht grün gefärbt vom Saft des Lebens und alles steht kurz vor dem Frühlingserwachen. Leider hast du, obgleich du den Frühlingsbeginn kaum erwarten konntest und ihn schon in Gedanken vorausgelebt hast, das Aufblühen der Huflattiche im sandigen Erdboden nahe des Flusses verschlafen. Diese Erstlingsblume, die den Frühlingsbeginn penibelst zu fühlen scheint und keinen Tag länger ihre Schönheit von der Sonne zu verstecken bereit ist, ist bereits, als würde sie darauf achten, im Geheimen erst aufzublühen, in voller, offenen Blütenpracht. Diese Blume bringt die infantile Vorstellung der Sonne als Form hier auf die Erde, ähnelt sie nämlich mit ihren gelben, radial angeordneten Blütenblättern unserem Muttergestirn. Du begrüßt den angebrochenen Tag mit Freude, frohlockst sorglos vor dich hin und bist gewillt, einen ausgedehnten Spaziergang zu unternehmen. Ohne Gedanken an die Zukunft, dass trübere Tage folgen könnten, spazierst du zukunftsblinder Mensch hinaus aus der Stadt, weit weg vom Gedränge des Marktplatzes, Richtung Natur, wo die Huflattiche blühen und die Fichten stehen, dorthin wo sich gerade kein menschliches Bedürfnis hin sehnt und die Luft besser ist. Die farbenprächtigen Blüten erscheinen dir wie die anmutige weibliche Schönheit von Frauen, der erotisierende Duft nach ihrer leidenschaftlichen Hingebung in der Liebe. Gleichzeitig erfahren sie die unbeständige meteorologische Abwechslung, das Verhältnis zwischen Sonne und Regen, ähnlich wie du leben sie andauernd in Hingabe und Demut.

Die Geräuschkulisse der Stadt reist dich hin und wieder aus deinen Naturbetrachtungen, Lyrikspielereien und deiner Dünnromantik, als wolle selbst die Stadt darauf bestehen, ein Teil der natürlichen Umgebung, der gesamten Natur zu sein und als wolle sie mit ihrem Lärm deine Aufmerksamkeit auf sich ziehen, sich vermischen mit all deinen Sinneswahrnehmungen, eine Synthese zwischen der Natur und der menschlichen artifiziellen Architektur eingehen. Die gekippten Fenster von Häusern reflektieren die Sonnenstrahlen in deine Augen und blenden dich, blitzen aus dem homogenen Häusermeer hervor und stechen von den grauweißen Fassaden ab. Die Gebäude spiegeln den Willen, alte historische Bauwerke in ihrer Einfalt und Größe nachzuahmen, wieder. Man erkennt den Hang an dem Alten, an dem Klassischen, Altbewährten und das ästhetischen Einverständnis mit dem, was bereits früher als schön empfunden wurde. Inmitten des aufstrebenden Fortschritts, der ankommenden moderne des Zeitgeistes, wollte man trotzdem statisch an vergangenen Kultur- und Stilepochen und deren Dekorelemente festhalten und entschied sich auf deren pure Imitation.

Wie bei den Jahresringen eines Baumes befindet sich im Zentrum der Stadt der historische Kern, das vergangene Alte, mit anmutigen historistischen Gebäuden, wie der neugotischen, kleinen Kirche des heiligen Bischof Polycarp von Smyrna am Marktplatz und dem ebenfalls dort in der Nähe befindlichen Verwaltungsgebäuden mit dem Rathaus. Umso weiter man dann von dort hinaus gelangt, desto jünger werden die Gebäude, desto geradliniger ihre Fassaden, desto nackter ihre Funktionalität als Haus und ihre Hauptbestimmung möglichst vielen Menschen eine Unterkunft zu schenken.

Lustig und verspielt erscheint dir dabei die Vielfalt der einzelnen Häuser in der Stadt, die Vermischung verschiedener Baustile nach Belieben und Geschmack, der kontinuierliche Übergang vom Stil der Neo-Renaissance bis hin zu neubarocken Bauelementen in ein und dem selben Haus. Die einzige Gemeinsamkeit der Häuser sind die Neostile und ihre Nachahmungszwecke alter Bauwerke, ansonsten wurde alles im Sinne eines stark zugespitzten Eklektizismus zusammengesammelt. Das Stadtbild erscheint jedoch obgleich seiner architektonischen Vielfalt unzeitgemäß statisch und unbewegt. Alles beschränkt sich auf die Imitation, von dem was es schon längst gegeben hat und die architektonische Weiterentwicklung und das Neue werden verneint. Ein kleiner Fluss, der weit im Hinterland entspringt schneidet die Stadt in zwei verschieden große Segmente.


Alle ziehen weiter, an mir vorbei mit ihren Karawanen Ich ohne Dach, ohne Halt, ohne Schutz kann die Wärme, die sie wärmt nur erahnen Bin Ki...

Alle ziehen weiter, an mir vorbei
mit ihren Karawanen
Ich ohne Dach, ohne Halt, ohne Schutz
kann die Wärme, die sie wärmt nur erahnen


Bin Kind der Wüste geworden, identitätslos, besitze keine Buchstaben oder Zahlen,
ernähr mich vom zittrigen Tanz der Sterne
während ich die Silhouetten der Wanderer, die Bezwinger der Wüste, erahne
beobachte bis weit hinaus in die Ferne

Entsetzliche Schwere legt sich gleichermaßen über meine wüstenlotusblumenfarbige Seele

Erinnerungen eines Lebens, das ich hätte haben können;
Gedanken an eine Zukunft, die ich nicht hätte vergessen müssen;
Träume einer Existenz, die ich nicht am sinnlosen Sinn suchen zugrunde gehen lassen hätte müssen;

doch die Karawane zieht weiter, keiner der mich sah, der mich hörte,

die andere Menschenseele neben der ihren spürte

Ich liege besiegt und bestohlen meines Sinns im Wüstensand allein
unterm flauen Mond und den leer geschauten Sternen

Die Kälte wärmt mich fast zu Tode
doch habe verlernt zu weinen;
die Farbe des Sands fand sich wieder
im weiten weiß und gräbt sich darin ein,
auch meine Haut verliert ihre Farbe, ich erbleiche

und die Wüstennacht verschluckt
Mich
Stück für Stück
in ihrer großen, gebeugten Stille






Leiblichkeit, ist das, was uns vielmehr vereinzelt als eint. Deswegen ist das Gesetz und der Staat auch das unpersönlichste, da es Allgemein...

Leiblichkeit, ist das, was uns vielmehr vereinzelt als eint. Deswegen ist das Gesetz und der Staat auch das unpersönlichste, da es Allgemeinheit erhebt. Wie ein Lebenslauf bei einem Bewerbungsgespräch zu den reinen Formalitäten gehört, so ist für viele Menschen ihr Leben auch nichts weiter als eine reine Formsache. Dabei beinhalten Lebensläufe oft die lustige Tatsache, dass jede Lebensstation als Kausalbeziehung schlussendlich Sinn ergeben muss. Welche Entscheidungen man schlussendlich trifft, ist nicht so wichtig und wenn überhaupt, nur schwer nach ihrer Sinnhaftigkeit hin zu bewerten. Ein Charakter erschließt sich aus dem Lebenslauf anhand einer sich wiederholenden Handlungsdisposition. Der Lebenslauf als Formalität ergibt bereits schon für sich Sinn, wenn man ihn durchliest. Selbst wenn darunter Entscheidungen liegen die vielleicht unvernünftig erscheinen, ergeben sie innerhalb des gesamten Lebenslaufs Sinn und erscheinen nicht mal als auffällig oder merkwürdig. So kann die Vernunft ein Lebensprinzip sein, die Unvernunft jedoch auch. Die Vielheit der Lebensläufe, der Entscheidungen und Handlungen diffundiert gewissermaßen zu jenem Rauschen, zu jener Entropie, die man Weltgeschichte nennt. Und so lassen sich alle Lebensläufe lesen, nach dem Prinzip des unzureichenden Grundes, die in ihrer Vollzähligkeit betrachtet, nicht allzu gravierende Unterschiede kennen. Einzelne Ereignisse im Leben, welche ähnliche Eigenschaften haben, werden austauschbar, sind symmetrisch. Und dennoch vermag man die einzelnen Lebensstationen im Lebenslauf durch Kausalzusammenhänge zu referenzieren, wird manchen Entscheidungen und Handlungen aber dadurch nicht gerecht und verfällt dem Irrtum, dass Kausalzusammenhänge immer räumlich und zeitlich beieinander liegen müssen. Dabei ist das Handeln aus welchen Beweggründen auch immer vorerst immer unzureichend, im Nachhinein jedoch immer sinnvoll. Kontrafaktuale Konditionalsätze bewegen uns in die pragmatische Handlungsunfähigkeit, Gedanken welche Konsequenzen es mit sich gebracht hätte, wenn man zu einem früheren Zeitpunkt im Leben anders gehandelt hätte, sind Referenzlos. Aus praktischer Hinsicht könnte man nichts mehr daran ändern. Die Moral wird zu einer Moral des nächsten Schrittes, da Urteilsbildung im nachhinein gewöhnlich leicht fällt und richtig erscheint. Das ist die fatale Folge einer unverzeihlichen Zeit, für die unverzeihliche Praxis des Menschen. Oder die Erkenntnis des fehlenden Lernerfolgs in der Zeitgeschichte. Das Abwiegen der verschiedenen Entscheidungsmöglichkeiten fällt schwer, in einer Zeit, in der der Mensch zunehmend ein Enterbter seiner Kultur wird, der gesellschaftlich keinen befriedigende Verbindlichkeit zu finden scheint. Entscheidungen und Handlungen diffundieren in die Weltgeschichte, geistiges Klarsein wird getrübt durch die ungewisse Trunkenheit dessen, was sie Positivismus nannten. In seinem Rausche kritisieren sie die Moral und Lebensregeln, treiben Politik und machen Gesetze. Was aus diesem Zusammenstoß unterschiedlicher Lehrmeinungen und Maulheldentümer übrig bleibt, ist nur die Ungewissheit aller und der Schmerz darüber, dass es keine Gewissheit gibt. - Buridans Esel, der verhungert, weil er sich nicht entscheiden kann, welchen der Heuhaufen er zuerst fressen will.

Alles was dem Logozentrismus widerspricht, wird zu antiwissenschaftlichen Rührsehligkeiten, jegliche emotionale Anteilname, als Dünnromantik beschimpft. So vermag das Arbeiten als wesentliche Ausfüllung des Lebens durchaus dem geradlinigen Denken des Wirtschaftstüchtigen genüge leisten, für manche, die vielleicht mehr erwarten als ein Nullsummenspiel, jedoch eine Verlegenheit bedeuten. Arbeiten als Ausfüllung des ansonsten leeren Platzes, die Angst vor der Langeweile – für manche eine unerträgliche Vorstellung- für andere eine idyllische Zeremonie von Wiederholungen. Doch ist gerade die Langeweile, jener Begriff für Unbemerkenswertes und Hinfälliges in seiner Passivität wesentlich harmloser und gleich gültiger als die Charaktereigenschaft eines Reaktionärs. Politisch werden heißt reaktionär werden. Der manische Trieb des Futurs, der Logozentrismus als Endzweck allgültiger Weisheit, ist schlussendlich auch ein Letztbegründungswahn des Lebens. Das Suchen nach Endzwecken und Zielen, das teleologische Streben nach Sinn und Bedeutung, der Vervollkommenungsdrang, kommt einem Zielfernrohr gleich, das nach seinem Ziele sucht. Manche besitzen jedoch die Gabe, ihre unzufriedene Lebenslage ähnlich zu bewältigen, wie wenn man sich bei unruhigem Schlaf im Bett einfach umdreht.



Unfähig der völligen Abnabelung liege ich brach – und mit brachialer Kraft entfacht ein Sturm über mir inmitten meiner Panik herrscht jene u...

Unfähig der völligen Abnabelung
liege ich brach –
und mit brachialer Kraft
entfacht ein Sturm über mir
inmitten meiner Panik
herrscht jene unerforschte Unberührbarkeit

(Die Krähen krächzen ein Schlaflied für mich
doch ich huldige ihnen schlecht und schlaflos)

Die Sucher kommen dem Boden immer näher,
verweben sich im Dickicht mit dem verwunschenem Walde
und wollen eins werden mit Baum und Bach,
die Natur aber gibt sie frei und schert sich nicht um ihre Einsamkeit;

Nackt im Morgentau gebettet, der traurigste Trost der bleibt,
gekleidet in Blässe und Blindheit
wie Neugeborene, sich des Urschreies entledigt zwar,
doch im postnatalen Schweigen sich wiedergefunden –

Ewige, eigene Schlacht
der Ungefundenen



Das Wiedererwachen vielfach vollzogener Individuationen, lässt dich inhaltslos am Fluss innehalten und in radikal einsamen Ergießungen, di...

Das Wiedererwachen vielfach vollzogener Individuationen, lässt dich inhaltslos am Fluss innehalten und in radikal einsamen Ergießungen, die Zersplitterung der Dunstscheibe auf der knitternden Wasseroberfläche beobachten. Sanft kräuselt sich die glazial zerknirschte Sonnenmilch, verminderter Fließfähigkeit, um eine Steinmonade im Zentrum des bleiernen Flusses und fluktuiert in blendend, offenen Koloraturen efferent Richtung Ufer. Ein ungefundener Findling im Kontinuum des Strömens, die in weiche Form gepresste Urzeit, erzwingt ein leises Plätschern, fast ein Lächeln.
Und andauernd das Knirschen der sandigen Köcherfliegenlarven unter deinen Schritten.
Und wie immer drückt kinetisch Wasser deine Fersen,
das umfließend, formend dein vertikales Äußeres erkennt.
Das Schotterwerk auf der anderen Seite des Stausees entreißt dich aus deinem Eingedenktsein in deine selbstverschuldete, anthropofugale Unumgebenheit, durch den diffamierenden Lärm der sich zurufenden Arbeiter.
Immer wieder übertönen Wortfetzen den lauten Gebirgsbach.
Immer wieder kommt das Gefühl hypersensibler Betroffenheit auf.
Meinen sie dich etwa? Waren es die Männer, oder war es doch nur das missverständliche Murmeln des Flusses? Beobachten sie dich?
Tinnitus. Das Lebensgefühl setzt ein.
Waren sie es doch, die dir deine Heimat unerträglich machten.
Doch vertraue der Weisheit deiner Kindheit, obgleich die Zeit der großen, unersättlichen Müdigkeit kommen wird.
Doch du betrachtest lieber die Wellen, die einander löschen,
wie deine Erinnerungen,
die es nicht gab,
wie sie sagten.

Das Schotterwerk entwendet dem See seinen weißen Löschkalkkies und seinen Flussspat.
Und sie rufen sich untereinander zu, im Lärm der Schottermühle und sagen wie immer: „Stille Wasser sind tief.“
Und überall die Präpotenz der Ignoranz.
Noch nie sang eine Stimme aus solchen Tiefen, nur die Mnemosyne singt dir das schönste Wiegenlied. Du stehst am Tripelpunkt der empedokleischen Elemente, an vollkommener Unterbestimmtheit definiter Aggregatzustände, im stoischen Plasma vollkommener Einsamkeit, alleine in der nicht tangierenden Leere sinnvoller Impenetrabilität;
Taleinwärts,
talauswärts,
in der Talsohle, wo die Menschen wohnen.
Die metastasierende demütige Hingabe des Flusses in die fluide Vollzähligkeit des anthropogen gestörten, gestauten Sees im Schoße des Talschlussberges, wo die schwebende Trübung endlich sinkt.
Und überall Schwebefliegen die sinken, im abendlichen Versinken der Welt.
Und überall Stechmücken, die nicht stören
und die sinken,
auf die Oberfläche des Sees, wo sie die spitzmündigen Lippen der Forellen küssen.
Eine fade oberflächliche Empfindung seichter Dünnromantik antiwissenschaftlicher Rührseligkeiten divinatorischer Szientisten unter deiner Haut.
Die vierblättrige Radialsymmetrie der Einbeere verkündet die komprimierte Nullität des in sich kollabierenden Ichs.

Er durchschreitet schrägaufwärts eine weiße Sumpfgraswiese. Kniehoch sind die Grasblütenstände im moorweichen Boden. Der Geruch der deodorierenden Bärenklauen erfüllt die Luft. Vereinzelt- Schwarzer Holunder und Täublinge mit ihren brüchigen Lamellen. Bis zu den Erlenbeständen und Weiden, die Propheten des gefestigten Bodens, die die Erfahrung des Wassers in ihren erhärteten Jahresringen speichern. Es ist heute nicht mehr gut, Neuland zu entdecken, auch nicht in nie unternommenen Reisen. Der Fluss hinter dem Auwald meänderte in keine Richtung und er sucht einen Standplatz, um das beruhigte Wasser an sich vorüberfließen zu lassen. Und während er bewegungslos dasteht, zieht die Zeit weiter im synchronen Fließen des Flusses. Er altert nicht, er steht still im Fluss der Zeit. Die Zeit altert und wird immer mehr, immer tiefer wird der Fluss, bis auch er stillsteht.
Und seine Tiefe ist unermesslich. Reminiszenzen des verbotenen Rückblicks lassen ihn zur Salzsäule erstarren. Und Atlas trägt das Gewicht der Welt, könnte es doch ebenso gut von einer Säule getragen werden.
Und der Anachoret auf der Säule wartet immernoch auf die Zerebralverschiebung der Erde.
Und er wurzelt in der ersten Reihe der Erlenbestände und Weiden am Anfang des Auwaldes, bis die Förster kamen. Er verstand das alles nicht. Sie riefen:
„Wir sind die Köhler mit der Axt in der Hand.“
Er war stehengeblieben in der alternden, eilenden Zeit. Doch sie sind gehengeblieben. Beschleunigung, als ihr einziger Stabilitätsfaktor.
Er war bereits perinatal Fischer, schon lange bevor es Förster gab.
Flüstere nur unbekannte Dinge, Unbenanntes, wie nie Gehörtes, wie Bücher die nicht mehr gelesen werden.
Und er sang das Zufriedenheitslied: „Li-rum, La-rum, Löf-fel-stiel, Alles in Allem, es war nicht viel.“
Und eine männliche Drohne weidete im Gras der Wiese, sie wurde leider zu früh geboren, als Opfer der Notwendigkeit. So warte noch ein Bisschen, im mekoniumtrüben Fruchtwasser, denn es ist noch zu früh am Tage.
Und jeder Baum hat seinen Förster.
Und in glasigen Nächten leuchten ihre Fackeln am Ufer der Zeit.
Sie gingen in Reihen,
niemals einzeln,
niemals einsam,
in zielloser Benommenheit.
Sie gingen in Reihen und murmelten.
Sie gruben Löcher in die Erde, damit es werde.
Wehe,
wehe,
denn ich sehe euch fallen, wie die Bäume im Walde.

Komm zieh deine Schuhe aus und bleibe stehn, im Schatten deiner Bäume, in absoluter Geborgenheit, der Sackgasse vollzogener Natalität. Und hier in deiner Ungeborenheit, forderst du den Rücktritt der Menschheit.

Und du schweigst.
Und du schweigst immer.
Dein Schweigen wurde fehlgedeutet.